Hektik & Stress – oder gefangen im Zeitfenster

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Ach du liebe Zeit

Normalerweise sollte an dieser Stelle heute der geplante Sammelkalender stehen. Doch dann müsste ich schon für die Zukunft schreiben und ein passendes Bild hätte ich dazu noch gar nicht parat gehabt, denn noch blüht weder das Gänseblümchen in dieser Region, noch treibt schon der Löwenzahn aus.

Ich wollte der Zeit scheinbar schon voraus sein! Doch prompt sagte mir meine innere Stimme „Hey… bleib mal schön in der Gegenwart! Für den Sammelkalender ist es noch nicht an der Zeit! Mit etwas Achtsamkeit, wirst du wissen wann es so weit ist.“

Die liebe Zeit ist einer der größten Sklaventreiber. Immer wieder verwundert es mich, wenn ich in der Stadt unterwegs bin. Pausenlos sind da sehr viele Menschen nur noch in Eile, Stress und Hektik unterwegs. Jedes mal muss ich mich selbst daran erinnern, mich nicht von dieser Rastlosigkeit anstecken zu lassen.

Wenn ich dem Treiben eine geraume Zeit zusehe, spüre ich innerlich, dass ich selbst in solchen Augenblicken dazu geneigt bin, ebenfalls unruhig und nervös, sowie hektischer zu werden.

Meine Geschichte in Kurzform

Als ich noch bei einer großen Möbel-Kette im Bereich Kassenverwaltung gearbeitet habe, steckte ich ebenfalls mitten in diesem Muster. Ich war damals noch Multitasking fähig, ging immer im Eilschritt auf die Toilette, rauchte eine Zigarette in drei Minuten und schob mir schnell zwischen zwei Kunden einen Schokoriegel in den Mund. Ein kleiner Smalltalk mit Kollegen war nicht gerne gesehen, mein Zeitfenster war damals recht eng getaktet und die Verantwortung die ich trug, schien mir längst zu groß.

Nicht einmal Zuhause konnte ich wirklich entspannen oder mich erholen. Oft wurde ich während meines freien Tages oder dem Urlaub in die Firma zurückgerufen. Am Ende machte mich diese Arbeit, die Verantwortung und der selbstgemachte Stress, sowie viele weitere Kleinigkeiten seelisch und körperlich krank. Der Preis war viel zu hoch, dass Leben kam dabei zu kurz. Ich reichte die Kündigung ein!

Danach sank ich in ein ganz tiefes Loch, als ich plötzlich zur Ruhe kam und all die Lasten von mir abfielen. Ich brauchte sehr lange, bis ich mir schließlich ehrlich eingestehen konnte, dass ich inzwischen schon an einer tiefgreifenden Depression litt.

Die Welt um mich herum wurde unwichtig und ich verkroch mich monatelang nur noch innerhalb der vier Wände. Ich heulte sehr viel vor Wut, Angst und Verzweiflung. Sehr oft dachte ich dabei ans Sterben und wollte nichts mehr sehen und nichts mehr hören, von der Welt das draußen!

Meine gegenwärtige Sicht

Diese Geschichte liegt inzwischen zehn Jahre zurück und seither hat sich mein Leben und meine Sichtweise zur Zeit grundsätzlich verändert.

  • Weg von Multitasking – hin zur Achtsamkeit

Heute gibt es in meinem Leben die Multitasking-Fähigkeit so gut wie gar nicht mehr. Wenn ich am essen bin, dann esse ich und lese nicht mehr nebenher eine Zeitschrift. Wenn es um den Haushalt geht, dann mache ich einen Schritt nach dem anderen. Mit dem Kopf bin ich nur noch beim jeweiligen Schritt und nicht mehr zehn Schritte voraus. Sollte etwas nicht fertig werden, dann bleibt es eben liegen.

  • Weg vom Zeitfenster –  hin zur Spontanität

Inzwischen kann ich das Wort ‚Zeitfenster‘ oder ‚Terminkalender‘ nicht mehr hören. Und Worte wie ‚Ich habe keine Zeit‘ oder ‚Ich muss mal im Terminkalender nachsehen‘ bringen mich zu einem kopfschüttelnden Grinsen. Wenn mir etwas sehr wichtig ist, dann nehme ich mit die Zeit und merke mir den Termin automatisch. Ich entscheide inzwischen meistens sehr spontan, zu was ich gerade im Augenblick Lust habe.

  • Weg vom Blick auf die Uhr – hin zum Gefühl

Es gibt im Haus vier Uhren, aber nur eine davon zeigt die aktuelle Uhrzeit an, alle anderen stehen still und dienen nur als Dekoration. Eine Armbanduhr trage ich schon seit zehn Jahren nicht mehr. Und trotz dieser Umstände komme ich nicht  zu spät, es sei denn ich komme wirklich unerwartet in einen Stau.

Höher, schneller, weiter

Der Einzige, der etwas von unserem selbstgemachten Stress und unserer gar nicht so tollen Multitasking-Fähigkeit hat, ist der Arbeitgeber! Für mich stellt sich das inzwischen meist nur noch als eine moderne Art der Sklaventreiberei dar!

Der Arbeitnehmer verliert die Motivation, vom Spaß an der Arbeit mal ganz zu schweigen. Schlimmer noch, er wird über kurz oder lang krank davon und die inzwischen weitverbreitete Depression und der stetig zunehmende Burnout zeigen es immer wieder sehr deutlich auf.

Ist das wirklich ein Leben – lebt man tatsächlich dafür?

So lange jeder einzelne Arbeitnehmer seine Leistung steigert, völlig am Limit läuft und vieles auf Kosten seiner Gesundheit auf einmal macht, so lange wird dieser auch weiter ausgebeutet werden.

Wie bekommt man so schön zu hören ‚Da draußen wartet schon der nächste auf diesen Job‘. Allein daran erkenne ich, dass ich einfach nur eine Nummer bin. Ein Rädchen das funktionieren muss. Als Mensch werde ich kaum erkannt und nach meinem Befinden wird sowieso nicht gefragt. Das hört sich für mich so traurig an, zumal genau durch solchen Druck auch sehr viele Fehler in der Produktion und in vielen anderen Bereichen entstehen.

Ein ‚höher, schneller und weiter‘ führt ganz gewiss nicht zu einem glücklichen Leben – es brennt einen ganz langsam und schleichend von innen aus. Ein glückliches Leben kommt von Innen, vom Leben im Moment. Für mich ist es eine innere Einstellung und da draußen für kein Geld der Welt zu kaufen.

Manchmal ist weniger mehr – vor allem auch gesünder!

Alles Liebe,
Lill ♥

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