Rückblick Kindheit – oder Kind sein dürfen

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Rückblick in die Kindheit

In der Kindheit fühlte ich mich häufig in vielerlei Hinsicht verloren in dieser Welt in die ich hinein geboren wurde. In Worte fassen und beschreiben konnte oder wollte ich es nicht, das kam erst viel später.

Dank solcher Sätze wie ‚Du träumst schon wieder‘ oder ‚Du schaust durch die Menschen hindurch, das ist unhöflich‘ und so vieles mehr, habe ich nichts erwidert. So ganz genau kann ich mich nicht mehr daran erinnern oder ich habe es vielleicht auch einfach nur verdrängt. Aber ich weiß, ich fühlte mich oft unverstanden von den Erwachsenen.

Ebenso weiß ich noch wie heute – für mich gab es nichts Schöneres, als draußen in der Natur zu sein. Unbeschwert sprang ich mit unserem Hund über die Wiesen, die Felder und durch die nahegelegenen Wälder. Ich fühlte mich frei und spürte große Freude, sowie Begeisterung und war immer mit dem Herzen dabei. Die Langweile in Form von Gedanken ‚Was soll ich jetzt nur mit mir allein anfangen‘ kannte ich damals nicht. Ich konnte auch stundenlang allein in meinem Zimmer spielen und es gab genug Abenteuer zu entdecken. Inzwischen bin ich zwar sehr gut im ‚NICHTSTUN – aber noch immer ohne dabei Langeweile zu verspüren‘.

Obwohl ich als Kind sehr schnell Spielkameraden gefunden habe, war ich doch auch gerne ganz allein unterwegs und erforschte die Welt auf meine ganz eigene Art und Weise, so wie es mir gerade in den Sinn kam – immer mit unserem treuen Hund an der Seite.

Es kann sein, dass meine Mutter damals immer mal wieder etwas Angst um mich hatte. Aber gezeigt hat sich es mir nie und ein Verbot, dass ich nicht alleine unterwegs sein durfte, sprach sie auch niemals aus. Dafür bin ich ihr heute noch sehr dankbar.

Mir ist sehr wohl bewusst, dass wir heute weit entfernt davon sind, die Kinder in so jungen Jahren schon ganz allein durch die Welt ziehen zu lassen.

Die Eindrücke der Kindheit wurzeln am tiefsten.

Karl Emil Franzos

Gedanken die Wirklichkeit werden

Kaum etwas konnte mich damals mehr begeistern als die Tierwelt. Stundenlang saß ich mit unserem Hund mitten auf einem gepflügten Weizenfeld und verharrte dort geduldig, ruhig und ganz still vor einem, von unzähligen Mäuselöchern. Ich malte mir in Gedanken das Bild einer Maus aus,  die genau aus diesem Loch herauskommen würde. Leise flehte ich sie im Stillen an, dass sie sich doch bitte zeigen sollte. Und so geschah es am Ende tatsächlich immer! Niemals wurde ich enttäuscht.

Die Kindheit ist eine Welt an sich, in der es keine Vergangenheit und Zukunft als Problem gibt, sondern nur die ewige Gegenwart. Jedes Ding, jede Blume, alles was es gibt, ist für das Auge eines Kindes sinnvoll. Ein großer Spielplatz scheint die ganze Welt zu sein. Wenn es überhaupt ein Paradies gibt, dann sollte es wie die Kindheit sein, natürlich und einfach.

Cosmin Neidoni

Mit Eidechsen habe ich es genauso gehalten und ich kannte sehr viele Plätze, an denen ich diesen Geschöpfen sehr nahe sein konnte. Natürlich habe ich auch manchmal zum Schrecken meiner Mutter, eines dieser Tiere mit nach Hause gebracht, um es für einige Tage zu beobachten.

Ich habe mich immer mit all den Tieren verbunden gefühlt, habe ihnen gelauscht, sie beobachtet und sehr oft mit ihnen gesprochen. So durfte ich auch so viel Schönes erleben, ob mit Mäusen, Eidechsen, Blindschleichen, Vögeln, Schmetterlingen oder andere Arten der Tierwelt. Und diese Verbundenheit zu Tieren ist mir bis heute erhalten geblieben.

Kind sein dürfen

Mit 12 Jahren hatte ich mein erstes Pflegepony, mit dem ich tun und lassen konnte, was immer ich wollte und mir gerade so in den Sinn kam. So lange ich es gut versorgte und mich auch vor dem Putzen nicht drückte, stand mir nichts im Wege. Gerade zu dieser Zeit war ich völlig verträumt und dadurch auch oft völlig entrückt aus der realen Welt. Ich sah mich selbst damals immer ein wenig als eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga.

Wenn ich durch den Ort in Richtung Wiesen, Felder und Wälder ohne Sattel ritt, hatte ich immer dasselbe Lied auf den Lippen und sang ganz laut: „Faul sein ist wunderschön, liebe Mutter glaube mir, wenn die Sonne scheint und die Blumen blühn, hat die Arbeit längst noch Zeit!“

Ich kletterte auf Bäume, stibitzte mir mal hier einen Apfel, mal dort eine Kirsche oder eine Birne. Ich wußte was ich auf den Wiesen essen konnte und was nicht – ich liebte Sauerampfer. Wenn ich Durst hatte, trank ich schon auch mal aus Pfützen, ansonsten aus einem kleinen Bachlauf. Eine Zeitlang habe ich sogar Kaugummi von der Straße weggepuhlt und einfach in den Mund gesteckt. Im Wald baute ich kleine Mooshütten, spielte am Bach. Ich baute mir kleine Boote, die jedoch nur in meiner Fantasie danach aussahen – egal, Hauptsache sie wurden vom Wasser dahin getragen. Und ich liebte mein Spuckrohr mit dem ich Holunderbeeren durch die Gegend spuckte.

Obwohl ich heute zu jenen Menschen gehöre, die so gut es geht in der Gegenwart leben, liebe ich den Blick zurück in meine Kindheit noch heute sehr. Schöne Dinge bleiben tief im Herzen und es ist gut so – kein Grund es zu verdrängen.

Nicht der Besitz an materiellen Gütern erhellt die Kinderjahre, sondern die Liebe und Gemütsverfassung der Eltern.

Rudolf von Tavel

Heute bringt mich in jedem Fall der Sohn meiner Nichte mit seiner Art in diese Unbeschwertheit und Leichtigkeit zurück. Und wenn ich in solchen Momenten tief in mich hineinfühle, dann spüre ich dieses Gefühl von Freiheit. Ich liebe das laute herzhafte Lachen und das Verrücktsein ohne sich dafür zu schämen oder in die Schranken verwiesen zu werden.

Leider können viele Kinder heute durch zu wenig Zeit der Eltern, durch zu viel Programm, vorzeitiges Lernpensum und ein Überangebot an materiellen Gütern und vieles mehr, gar nicht mehr so richtig Kind sein.

Die Kindheit ist keine »Vorbereitungszeit«, sondern besitzt Eigenwert.

Joachim Ringelnatz

Und wir Erwachsenen scheuen uns leider auch sehr oft, dass ewige Kind in uns zum Ausdruck zu bringen. Doch was spricht denn dagegen, dass wir mit nackten und vielleicht schmutzigen Füßen über Wiesen laufen, über Bäche springen, denn Vögeln bei ihren Melodien zu lauschen oder die Schmetterlinge in ihrem Flug beobachten?

Wenn wir aufmerksam hinsehen, können wir die unzähligen Farben sehen und nichts ist mehr einfach nur Schwarz oder Weiß in dieser Welt!

Die Kindheit hat ihre Geheimnisse und Wunder – aber wer kann sie erzählen, und wer kann sie deuten? Wir sind alle durch diesen stillen Wunderwald gewandert – wir haben alle einst in seliger Betäubung die Augen geöffnet, und die schöne Wirklichkeit des Lebens überflutete unsere Seele. Im Herzen war es hell wie Frühlingshimmel, frisch wie Veilchenduft – still und heilig wie ein Sonntagsmorgen.

Friedrich Max Müller

Erinnerst du dich gerne an deine Kindheit zurück?
Findest du dich vielleicht ein Stück weit in meinen Worten wieder?
Wie denkst du über das Kind sein dürfen bezogen auf die Zeit jetzt?

Ich wünsche dir ganz viel
Freude & Begeisterung,
sowie alles Liebe,
Lill ♥

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2 Gedanken zu “Rückblick Kindheit – oder Kind sein dürfen

    • Schon wieder eine Gemeinsamkeit ツ
      Ich mag Sauerampfer heute noch, aber nicht mehr in den Mengen *lach* So schön, dass DU DICH in meinen Beiträgen ein Stück wiederfindest, daher DANKE ich DIR von Herzen fürs mit|teilen.

      Ganz viele liebe Grüße und einen wunderschönen Abend, Lill ♥

      Gefällt 1 Person

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