Floskeln & Phrasen – oder welchen Satz ich nicht mehr hören kann

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Floskeln & Phrasen – meine persönliche Erfahrung dazu

Zu einer Zeit, als ich im Leben gerade nicht so auf der Sonnenseite (bezüglich der Gesundheit) stand, wurde mir auf wundersame Weise erst einmal deutlich bewusst, was für Floskeln oder Phrasen wir fast täglich benutzen, um teils mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen.

Fast täglich hörte ich ausgerechnet in dieser Zeit sehr bewusst immer wieder den typischen Türöffner und Anfangssatz „Wie geht es dir?“, um ein Gespräch zu beginnen. Dabei musste ich so oft an meine Mutter denken, die auf solch einen Satz grundsätzlich die Antwort gibt „Gut, wenn man das Schlechte weglässt!“

Ist so eine Frage wirklich ehrlich gemeint?

Nach meiner persönlichen Erfahrung ist die Frage leider nicht so ehrlich, wie man sich das vielleicht erhofft. Sie ist in meinen Augen inzwischen nur noch ein Aufhänger, um seine eigenen Leiden in den Vordergrund zu stellen oder auf sehr ungeschickte Weise in ein Gespräch zu kommen. Denn grundsätzlich dann, wenn ich ganz offen und ehrlich geantwortet habe, kamen so Sätze wie „Ach du Arme! Aber weißt du, mir geht es ja auch so beschissen. Stell dir vor, ich habe … und … und ach ja und überhaupt! Da geht es dir vergleichsweise ja noch so richtig gut mit deinen Wehwehchen!“ In den meisten Fällen ließ man mich noch nicht einmal vorher aussprechen und funkte schon mit seinen Worten dazwischen. Mir erschien es teilweise so, als hätte man förmlich nur darauf gewartet, seine Leiden leidenschaftlich aufzuzählen.

Mein persönliches Problem dabei war zudem, dass ich sehr empathisch reagiere und es mir nach solchen Worten von Minute zu Minute schlechter ging. Manchmal bekam ich sogar die Symptome, von denen mir jeweiliger Gesprächspartner erzählte. Echt ganz schön abgefahren! Öfter fühlte ich mich im Anschluss des Gespräches völlig meiner ohnehin schon wenigen Energie beraubt. Heute weiß ich zwar, dass mir kein Mensch meine Energie entziehen kann, wenn ich es nicht zulasse – doch das ist ein anderes Thema. ツ

Aber um wieder zum Thema zurück zu kommen. Selbst wenn ich auf die Frage mit einem „Es geht mir gut!“ geantwortet habe, war es meinem Gesprächspartner scheinbar nicht recht, denn wie konnte es mir gut gehen? Geht ja mal gar nicht, wenn es seinem Gegenüber nicht gut geht! Oder? Oh Mensch, wie man es macht – es ist verkehrt! Auch ein oft verwendetes „Das freut mich für dich!“ ist nicht, wonach es sich im ersten Moment anhört, wenn man etwas tiefer danach sieht.

„Das freut mich für dich!“ sagt, wer keinen Anteil an der Freude des anderen nehmen kann.

© Andreas Tenzer

Interessiert es wirklich?

Inzwischen stelle ich diese Frage grundsätzlich gar nicht mehr. Natürlich interessiert mich das Wohlbefinden meines Gegenübers, aber dafür muss ich nicht so eine Frage stellen, die in den allermeisten Fällen einfach nur automatisch und völlig unbewusst aus dem Mund kommt – eine klassische Konditionierung eben, die man irgendwann einfach so übernommen hat, weil man sie oft genug gehört hat. Aber leider werden sie genau dadurch inzwischen zu so sinnlosen Floskeln & Phrasen.

[Inronie on]    Gehörte wohl mal zum guten Ton!    [Ironie off]

Hast Du schon ähnliche Erfahrungen mit der erwähnten Floskel machen?
Wie stehst Du zu all den Phrasen oder die typische Wetter-Floskel?

Alles Liebe,
Lill ♥

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